Wie bleibe ich gesund, oder was hält eigentlich den Laden zusammen?

von Götz Schultheiß

Liebe LeserInnen,

zumindest den ersten Teil dieser Frage bekomme ich immer wieder von meinen Patienten und auch Bekannten gestellt. Mich erinnert diese Frage nach der ewigen Jugend- und der Gesundheit bis ins hohe Alter ein wenig an die Suche nach dem heiligen Gral. Wie einst Parzival machen sich immer größere Teile unserer Gesellschaft auf eben diese Suche. Ernährungsberater, Personaltrainer, Sportstudios, aber auch Heilpraktiker und Ärzte usw. nehmen meiner Ansicht nach immer mehr Raum und Bedeutung in unserem Leben ein. Fast schon wie in religiösen Strukturen werden hier die jeweiligen Glaubensbekenntnisse vertreten und an den Menschen gebracht.
Historisch betrachtet findet hier immer mehr eine Umkehr ins andere Extrem statt. War es bis zum Ende des letzten Jahrhunderts in der breiten Masse noch völlig unüblich sich um seinen Körper zu kümmern , so befinden wir uns spätestens seit Beginn dieses Jahrtausends auf der Suche nach eben dieser Gesundheit und körperlicher Fitness. Im Grunde ist das sehr zu begrüßen, da wir mehr Eigenverantwortung für unseren Körper übernehmen sollten. Leider gibt es mittlerweile aber so viele verschiedene sich teilweise sogar widersprechende Theorien, dass hier auch immer wieder Verunsicherung Einzug hält.
Um also zu obiger Frage zurückzukehren: Ich halte folgende drei Themen aufgrund meiner langjährigen Erfahrung als Therapeut für gleichermaßen sehr relevant.

  • Körperliche Bewegung
  • Ernährung 
  • Emotionale Verfassung

Beginnen möchte ich diese Ausführungen mit der körperlichen Bewegung. Ernährung und emotionale Situation werde ich in den darauffolgenden Veröffentlichungen erläutern.

Teil 1. Der Nutzen körperlicher Bewegung

Der Mensch, seine Organverbände und vor allem der Stoffwechsel wurden vor vielen Millionen Jahren ganz allmählich durch Anpassung an die Anforderungen an das „Säugetier Mensch“ herausgebildet. Viele Jahrtausende waren eben diese Anforderungen an den Menschen unverändert und so konnte sich dieses System immer mehr bewähren und stabilisieren. Welchen Anforderungen aber war dieser frühe Mensch denn eigentlich ausgesetzt? Nun, er musste die meiste Zeit durch die Steppe ziehen, Nahrung suchen, jagen und erlegen, was sehr oft mit Stress, Kampf und Verletzung einherging - und sich den jeweiligen klimatischen Verhältnissen anpassen. Dafür brauchte er ständig sehr viel Energie (ca. 4500–5000 Kcal.). Mit den Jahren wurde dies vor allem durch die Urbarmachung der Felder und der Viehwirtschaft einfacher, da aber alle Arbeiten ohne Hilfsmittel (Maschinen) gemacht werden mussten, kostete auch das sehr viel Energie. Erst durch die industrielle Revolution wurden die körperlichen Anforderungen an den arbeitenden Menschen allmählich weniger und stehen heute in keinem Verhältnis mehr zu damals. Dies gipfelt darin, dass die meisten Menschen heutzutage ihren Lebensunterhalt durch Schreibtischarbeit bestreiten. Wenn man also bedenkt, dass die Menschheit sich noch bis vor wenigen hundert Jahren auf nahezu gleich bleibend körperlich anstrengende Weise versorgen musste, wird einem schnell klar, dass noch keine evolutionäre Anpassung an die heutige Lebensweise des Menschen in Industrieländern stattgefunden haben kann. Dies macht sich vor allem bei folgendem Prinzip bemerkbar.
Da es oft lange Ernährungsengpässe gab, musste der menschliche Stoffwechsel ein System entwickeln, welches ihm zu Zeiten dieser Engpässe die nötige Energie zur Verfügung stellte. Dieses System speicherte alle nicht sofort benötigte Energie in Fettreserven. Dadurch war es ihm möglich Tage oder sogar Wochen ohne Nahrung auszukommen. Die Fettdepots wurden also regelmäßig gefüllt und wieder abgebaut. Dieses überlebenswichtige Prinzip der Reservebildung durch Fettspeicher führt allerdings durch die heutige Lebensweise des modernen Menschen zu einem folgenschweren Problem: Wir nehmen insgesamt zu viel Nahrung zu uns und bewegen uns zu wenig.
Unser bewegungsarmes Leben hat noch einen weiteren „Haken“:
Unser Körper mit all seinen Organverbänden, Hormon-, Nerven- und Gefäßsystemsystemen braucht immer wieder Phasen der Forderung um leistungsfähig und intakt zu bleiben. Werden diese Systeme nicht gefordert, bildet sich deren Effizienz immer mehr zurück. Wie bei einem vernachlässigten Muskel verkümmert die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Systems. Desweiteren werden vor allem bei angeregtem Stoffwechsel (verstärkte Durchblutung) die Ver- und Entsorgung der Organ –und Zellverbände gewährleistet und sogar fettspaltende Enzyme freigesetzt, die den Fettabbau nachhaltig verstärken. War man früher noch der Ansicht, dass Sport „halt irgendwie“ guttut, Kalorien verbraucht und für ein gutes Herz/Kreislaufsystem sorgt, weiß man heute sehr viel mehr über die vielen positiven Aspekte körperlicher Bewegung. Unzählige Studien belegen mittlerweile, dass regelmäßige Bewegung folgende Körpersysteme positiv beeinflusst: Atmung, Herz-Kreislauf, Bewegungsapparat, Immunsystem, Verdauungssystem, Grundumsatz (Energiestoffwechsel), alle Organe (Niere, Leber, Darm usw.).
Aber auch vorbeugend sorgt regelmäßige Bewegung für seelische Ausgeglichenheit (Psychohygiene), Demenzprävention, steuert gegen degenerative Prozesse jedweder Art (chronische Entzündungen, Krebs) und verhindert Einlagerung von Körperfett. Hier die jeweiligen Effekte im Einzelnen:

Atmung

  • Wird die Atmung durch regelmäßiges Training verstärkt gefordert, so passen sich die Lungenalveolen adaptiv an und die Durchblutung wird gesteigert. Das erhöht die Lungenkapazität.

Herz –Kreislauf

  • Durch regelmäßiges Training findet eine reflektorische Anpassung statt: der Herzmuskel wächst und die Herzkammern vergrößern sich, was zu mehr Leistungsfähigkeit führt
  • Sport verringert die Empfindlichkeit von Stressrezeptoren am Herz.
  • Die Durchblutung verbessert sich, was zu einer besseren Versorgung der Peripherie (Organe, Muskeln) führt. - Der Blutdruck sinkt
  • Der Cholesterinspiegel wird positiv beeinflusst (HDL steigt, LDL verringert sich).
  • Durch die obigen Prozesse lässt sich die gefürchtete Arteriosklerose (Arterienverkalkung und dadurch Arterienverhärtung) reduzieren.

Bewegungsapparat

  • Wachstum des Muskelquerschnittes aller benötigten Muskeln vor allem auch des Herzmuskels. Dabei gilt: je mehr Muskelmasse, desto höher der Grundumsatz (natürlich auch in Ruhezeiten wie z.B. Schlaf). Die Energiekraftwerke der Muskeln werden vermehrt.
  • Bessere Sauerstoffversorgung der Muskeln.
  • Ständige Trainingsreize wirken sich positiv auf die Knochendichte aus, was wiederum zu mehr Belastungsfähigkeit führt und die im Alter gefürchtete Osteoporose verhindert.
  • Stärkung und Festigung aller Einheiten des Bewegungsapparates (Muskeln, Sehnen, Faszien usw.).
  • Sind Muskeln, Faszien, Sehnen und Bänder durch körperliches Training gut ausgebildet schützen sie vor Verletzungen z.B. bei Unfällen.

Allgemeine Wirkung auf das Organsystem

Auch hier gilt ganz allgemein: Durch vermehrte körperliche Aktivität steigt die Ver- und Entsorgung des jeweiligen Organsystems. Einerseits muss nämlich jede Körperzelle ständig mit den notwendigen Stoffen versorgt werden, um ihre spezifischen Aufgaben erfüllen zu können, genauso wichtig aber ist die Entsorgung der Zelle, also die Abfuhr der Stoffwechselendprodukte, die am Schluss übrigbleiben und ausgeschieden werden müssen. Ein angeregtes Blut- und Lymphsystem spielen hier eine große Rolle.

Krebsprävention

An dieser Stelle müssen wir uns nochmal kurz mit unserem Körperfett beschäftigen. Es steht völlig außer Frage, dass wir einen gewissen Anteil an Körperfett dringend benötigen. Haben wir aber zu viel davon, so lagern sich einerseits in ihnen Botenstoffe ein, die in Verbindung mit dem Insulinspiegel wachstumsfördernde Mechanismen auf die Krebszellen ausüben, andererseits inaktiviert zu viel Körperfett die natürlichen Killerzellen, welche die entstehenden Krebszellen im Zaum halten sollen. Im Umkehrschluss bedeutet das, wenn es gelingt überflüssiges Körperfett abzubauen, werden die natürlichen Killerzellen wieder deutlich effizienter vorgehen können, was einen natürlichen Schutz gegen Krebs bedeutet. Allerdings steckt die Grundlagenforschung in diesem Bereich noch tief in den Kinderschuhen und man kann gespannt auf die Erkenntnisse der nächsten Jahre sein.

Immunsystem

Mittlerweile sehr gut nachgewiesen ist die Tatsache, dass Sport das körpereigene Immunsystem anregt, wodurch jegliche Art von akuten und chronischen Entzündungen positiv beeinflusst wird. Chronische Entzündungen werden übrigens auch in der Krebsentstehung und der Arteriosklerose immer häufiger diskutiert.

Geist und Psyche

Es ist schon lange klar, dass Sport sehr erfolgreich zur Therapie bei fast allen psychischen Leiden eingesetzt wird. Aber auch hier ist das Warum noch lange nicht geklärt. Einige Studien belegen, dass Sport Glückshormone (Endorphine) freisetzt. Auch regt Sport die Freisetzung des Peptides ANP an, welches Angst in seiner Entstehung verhindert. Zudem verhindert Sport die Freisetzung von Stresshormonen. Ganz allgemein betrachtet erhält ein psychisch Kranker durch regelmäßiges Training ein Erfolgserlebnis durch die Verbesserung seiner Leistung, vermehrt seine sozialen Kontakte zu anderen (Sport findet meist in Gruppen statt) und erwirbt das Gefühl eigenverantwortlich etwas für sein Befinden tun zu können. Und nicht zuletzt macht angemessen betriebener Sport einfach Spaß.

Was zu viel ist, ist zu viel

An dieser Stelle sei aber auch erwähnt, dass zu viel des Guten dem Körper eher schadet als nützt.
Durch regelmäßige sportliche Aktivitäten leiten wir bei unserem Körper eine sukzessive Anpassung an die neue Anforderung ein. Unser Bewegungsapparat reagiert auf die Reize. Die Muskeln vergrößern ihren Querschnitt, der Band- und Halteapparat kräftigt sich und stellt sich immer mehr auf die neuen Belastungen ein. Dieser Trainingseffekt fühlt sich dann gut an und wir spüren unsere Leistungssteigerung. Überlasten wir unseren Organismus aber, so erhalten wir durch die übermäßige Beanspruchung Mikrotraumen (kleine Verletzungen) in unseren Muskeln was zu Übersäuerung in der Muskulatur führt. Hier sind alle Muskeln betroffen, auch die unseres Herzens. Gönnt man seinem Körper danach ausreichend Zeit zur Regeneration, so kann dies komplett ausheilen. Wiederholt sich diese Belastung aber immer wieder, so werden dadurch der Herzmuskel und das Gefäßsystem dauerhaft geschädigt, was im weiteren Verlauf zu Arteriosklerose führen kann. Studien belegen, dass Läufer ab einer Kilometerleistung von mehr als 40 Kilometer pro Woche im Durschnitt mehr an Arteriosklerose leiden als Menschen, die überhaupt keinen Sport treiben.
Die wichtigsten Zeichen für ein „zu viel“ sind:
Starke Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Motivationsverlust, Infektionsanfälligkeit, Gereiztheit, Aggressivität, starke Müdigkeit, ausbleibende Fortschritte usw.

Ziel bei jeder Art von sportlicher Betätigung sollte immer sein ein gutes Körpergefühl zu erhalten und dadurch Vertrauen auf die eigenen körperlichen Grenzen zu bekommen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg. Ich wünsche Ihnen an dieser Stelle noch nachträglich alles Gute für das neue Jahr und würde mich freuen, wenn Sie mich auf meiner Homepage immer wieder mal besuchen würden. Ich verspreche Ihnen auch, regelmäßig mit neuen, interessanten Themen aufzuwarten.

Götz Schultheiß Heilpraktiker

In meinem nächsten Artikel werde ich über Ernährung schreiben. Bleiben Sie dran!

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