Fit in den Winter

von Götz Schultheiß

Wer kennt es nicht – kaum wird es so richtig Herbst, beginnt die Nase zu laufen, der Hals kratzt und man friert und fühlt sich schlapp – eine Erkältung oder gar Grippe bahnt sich an und läßt sich nur schwerlich wieder vertreiben.
Es sei gleich hier am Anfang erwähnt, dass selbst „ganz gesunde“ Menschen durchaus 1-2 Infekte im Jahr durchmachen dürfen, ohne gleich als besonders anfällig zu gelten. Es wird in diesem Artikel auch weniger darum gehen, welche Mittelchen und Pülverchen es vor dem Winter einzunehmen gilt um nicht krank zu werden, als vielmehr aufzuzeigen, dass der Zustand der Gesundheit nicht erst im Winter auf dem Prüfstand steht, sondern dessen Qualität das ganze Jahr über eigenverantwortlich gepflegt werden muß.
Die wichtigste Voraussetzung um gesund zu sein - und zu bleiben - ist ein gut funktionierendes Immunsystem. Dieses setzt sich aus vielen verschiedenen Komponenten zusammen, welche alle im Einklang sein müssen um erfolgreich zusammenzuwirken. Ist dies nicht der Fall, so schnappen wir natürlich jeden Erreger auf und wandern dabei von Infekt zu Infekt. Nur der geschwächte Körper wird befallen. Es geht also darum, das Immunsystem über das Jahr aufzubauen und zu erhalten. Folgende Faktoren spielen hierbei eine wichtige Rolle:

Abhärtung:
Heißkalte Wechselduschen am Morgen, Baden im Thermalbad, regelmässige Saunagänge, Kneippkuren und Bewegung an der frischen Luft verstärken die Abwehr und geben dem Organismus die Möglichkeit, den äusseren Einflüssen der Witterungen etwas entgegenzusetzen. So wie man einen Muskel durch ständige Übung auftrainieren kann, ist es auch möglich das Abwehrsystem zu grösserer Leistungsfähigkeit zu bringen. Dazu gehört aber auch, dem trainierenden Organismus die Übung zu erlauben und ihm nicht immer gleich die Arbeit durch beispielsweise fiebersenkende Zäpfchen oder vorschnelle Antibiotikumgaben abzunehmen. Natürlich gibt es Situationen, in denen diese Maßnahmen notwendig sind - jedoch viel seltener als allgemein praktiziert. In der Regel stärkt jeder durchgemachte Infekt das Abwehrsystem und führt zu wirklicher Gesundheit, welche dann im Winter genauso stabil ist wie in den anderen Jahreszeiten.

Bewegung und Luft:
Je mehr man sich im Freien aufhält und sich den Reizen des jeweiligen Wetters aussetzt, desto mehr fordert man sein Abwehrsystem und bildet es dadurch aus. Es ist sicherlich der falsche Weg, sich aus Angst vor Infektionen ständig nur in womöglich überheizten Räumen aufzuhalten. Auch ein Schnupfen sollte uns nicht davon abhalten ins Freie zu gehen.
Regelmäßige und ausreichende Bewegung und leichtes Sporttreiben regen ebenfalls den Stoffwechsel an und dienen so der Gesunderhaltung.

Vitamine:
Damit der Organismus immer in angemessenem Maße reagieren kann, braucht er natürlich auch die notwendigen Stoffe, um all die komplexen Stoffwechelvorgänge gewährleisten zu können. Diese sollte er möglichst durch eine naturbelassene und vitalstoffreiche Ernährung zugeführt bekommen, denn sie versorgt unseren Körper viel besser als die ohnehin meist synthetisch hergestellten Vitaminpräparate, die in der Regel nur den Hersteller sanieren. Auch hier gibt es natürlich Situationen, in denen ein Mangelzustand ausgeglichen werden muß, in diesem Fall sollte man aber unbedingt auf Präparate zurückgreifen, die aus natürlichen Vitaminen hergestellt werden.

Zustand der Darmflora:
Ein äußerst wichtiger und häufig vernachlässigter Faktor ist der Zustand der Darmflora, da hier der Kontakt mit dem darmspezifischen Immunsystem und den Erregern der Aussenwelt stattfindet. Sehr häufig basiert eine ständige Infektanfälligkeit auf einer desolaten Darmflora, welche dann durch eine Symbioselenkung (Aufbau körpereigener Darmbakterien) behoben werden kann.

Geeignete Kleidung:
Als ebenfalls wichtigen Punkt möchte ich noch die Kleidung ansprechen. Diese sollte vor allem gewährleisten, dass die Haut warm gehalten wird und gut atmen kann. Auch sollte in ausreichendem Maße der Schweiss nach aussen abgeleitet werden, da sonst ein schnelles Auskühlen stattfindet. Dies ist besonders durch Wolle – oder Wolle/Seidenunterwäsche gegeben, welche schnell trocknet und die Feuchtigkeit in die äusseren Kleiderschichten abgibt und nicht - wie z.B. Baumwolle - nass auf der Haut bleibt.

Sollte sich trotz alledem ein Infekt ankündigen, so können die folgenden Sofortmaßnahmen vielleicht das Schlimmste verhindern und zu einer schnellen Linderung führen:
- eine heiße Wanne mit Erkältunsbadzusätzen und anschließendem Ausschwitzen im Bett
- schonender als ein heißes Vollbad ist jedoch ein Fußbad mit ansteigender Temperatur (Schielebad).
Hier wird eine Wanne mit ca. 32 Grad warmen Wasser ganz langsam in ca.25 Minuten durch ständige Zugabe von heißem Wasser auf 42 Grad aufgewärmt. Preiswerte Thermometer gibt es in Drogeriemärkten. Beim nachfüllen des heißen Wassers vorsichtig sein, um sich nicht zu verbrennen.
- viel trinken, am besten heißen Kräutertee (Lindenblütentee, Holunderblütentee)
- stündlich ca.7 Tropfen ( Kinder weniger ) Camphora D1 Urtinktur auf Würfelzucker langsam im
Mund zergehen lassen.

Hervoragende Hilfe kann hier auch die klass. Homöopathie leisten. Aufgrund ihrer komplexen Anwendungsregeln sollte man sich jedoch an einen homöopathischen Therapeuten wenden. Wer bei kleineren Infekten selbst Hand anlegen möchte, sollte sich mit Hilfe von Kursen oder geeigneter Literatur die korrekte Vorgehensweise aneignen, um Fehler zu vermeiden und Grenzen zu erkennen.

Zusätzlich ist zu empfehlen, gerade im Winter auf einen möglichst streßfreien Alltag zu achten und sich genügend Ruhe- und Erholungspausen zu gönnen. So wie unser Stoffwechsel herunterschaltet, sollten auch wir möglichst etwas langsamer tun und uns ein Stück weit dem Rhythmus der Natur anpassen. Unser Körper und unsere Gesundheit werden es uns danken.
Ich wünsche Ihnen einen schönen und möglichst infektfreien Winter.

Götz Schultheiß
Heilpraktiker
Stuttgart

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